established 2006. das weblog von carolina koehn - #webdev #politics #personalthoughts

Allen, die sich mit Webentwicklung beschäftigen, ist bewusst, dass es grundsätzlich zwei Arten von Browsern gibt: einige halten sich (einigermaßen) an Standards zur Darstellung von Webseiten, einer tut das dagegen nicht.

Was wie ein Relikt aus Zeiten des Browserkrieges (erinnert sich noch jemand daran, als Netscape und Microsofts Internet Explorer haufenweise proprietäre Tags unters Volk zu streuen suchten und es schiere Glückssache war, ob eine Website so funktionierte wie von der Entwicklerin gedacht?) daherkommt und von uns in den vergangenen Jahren mit Hilfe sturen Beharrens auf der Einhaltung von Webstandards zum Einen und einer Unzahl unsauberer Hacks für die Darstellung im Produkt aus Redmond zum Anderen angegangen wurde, könnte nun eine unerwartete Neuauflage erleben.

Zur Vorgeschichte, kurz und knapp: Noch immer hat es das IE-Entwicklerteam nicht geschafft, einen Browser zu schreiben, der sich in elementaren Dingen so verhält, dass eine syntaktisch korrekte und den vom W3C in Form gebrachten Standards entsprechend gecodete Seite so anzeigen lässt, wie es sich gehört. Da gibt es ein eigenartiges Verhalten beim Thema "Box-Model", Floats floaten frei flottierend über den gesamten nutzbaren Bildschirm, es gibt Schwächen in der Anzeige von Bildern, etcetera pp.

Nach einen halben Jahrzehnt Stillstand, in dem zwischen den desolaten Versionen 5 und 5.5.und der nicht weniger fehlerbehafteten 6er-Variante nichts wesentliches ausser der Auflösung des Entwicklerteams geschah, beglückte überraschte uns MIcrosoft dann im vorletzten Winter mit der Neuauflage IE7, der gefühlt zumindest die richtige Richtung repräsentierte. Von Webstandards immer noch Jahre entfernt, den ACID2-Test noch nicht einmal in Sichtweite gab es trotzdem Hoffnung auf Weiterentwicklung. Und einen Großteil der ärgerlichsten Bugs hatte man auch beseitigt. Was dann wirklich einen Schritt nach vorne implizierte war die Verlautbarung des Entwicklerteams, die bis dahin üblichen Hacks zur Unterscheidung von validem (X)HTML und dem vom IE interprierten nicht weiter zu unterstützen – das Ende des "Star-Hacks" verhieß die Aussicht auf standardkonformes Rendering, ganz so, wie es die Konkurrenten von Firefox, Opera und inzwischen auch Safari seit Jahren vormachten.

So weit, so gut. Die Entwicklung des IE8 gehe voran, hieß es derweil in den einschlägigen Foren und Blogs. Bis zum 21. Januar 2008, als im IE-Blog ein ausführlicher Vorschlag für ein neues META-Tag auftauchte, mit sich die Spreu vom Weizen trennen ließe: Eine Extrawurst für den IE, der nur dann korrekt rendern soll, wenn man es ihm via <meta http-equiv="X-UA-Compatible" content="IE=8" /> explizit sagt.

Was auf den ersten Blick wie eine sinnige Lösung erscheint, ist allerdings bei näherem Hinsehen fatal. Denn für dieses Verhalten bräuchte es kein neues Tag, es würde ausreichen, die bisherige Unterscheidung über die Doctype-Definition beizubehalten (wir erinnern uns: fehlt einem HTML-Dokument diese DTD, dann rendert der bisherige IE im Quirks-Mode mit allen Nachteilen, ist sie vorhanden, dann geht der Browser davon aus, dass der Autor oder die Autorin wusste was sie tat, nimmt eine weitgehend standardkonforme Seite an und gibt sie entsprechend aus. Einfach, effektiv und über Jahre erprobt (und die Zombie-Hacks für IE 6 und älter funktionieren auch).

Das neue Metatag dürfte bei Einführung des IE8 allerdings zu folgendem Effekt führen: Korrekt gecodete Seiten mit vollständiger DTD werden vom neuen InternetExplorer zurück in die Steinzeit geschickt, da das neue META-Tag fehlt. Obendrein war ja gerade das Coden für bestimmte Browserversionen etwas, das wir uns alle abgewöhnen wollten – nun wird es erst recht salonfähig mit einem (so hätten die das gerne) offiziell abgesegnetem Tag. Und das nur, weil M$ immer noch Schwierigkeiten hat, Software zu entwickeln, die sich an lange etablierte, dokumentierte, offene Standards hält.

Die moderne Internautin fragt sich, ob die Entwickler in Redmond überhaupt in der Lage wären, ein solches Produkt abzuliefern. Und ob es nicht ein schöner Gedanke wäre, wenn mit Erscheinen des neuen IE schiere Massen von unbedarften SurferInnen endlich mal merken, wass für einen Schrott man ihnen da angedreht hat.

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1 Kommentar

  1. gefaehrder

    wirklich absolut überflüssig.
    es gibt doch jetzt schon conditional comments. da brauchts doch sowas nicht mehr.
    ganz sicher geht man, wenn man den browser-typ per php ausliest.