Strange fruits

Seltsame Dinge geschehen, wenn man sich als Whistleblowerin betätigt und irgendetwas offenlegt, dass nicht okay ist. Verwundern tut das nicht, denn wer jemandem auf den Fuss tritt, der erwartet eine Reaktion. Dabei läuft es allerdings nicht immer so wie man sich das wünscht – nämlich in Form von ‚Abstellen des Missstands‘.

Ich habe in den vergangenen Monaten relativ viel zu den Verbindungen zwischen LSVD Schleswig-Holstein, der SPD-Landtagsfraktion in Kiel und einem Träger namens Petze-Institut beim Thema ‚Landesaktionsplan echte Vielfalt in Schleswig-Holstein‘ gebloggt. Nein, ich habe nicht erwartet, dass man mich mit Rosen bewirft. Ich habe zunächst erwartet, dass die Beiträge kommentiert werden. Fehlanzeige. Weiterhin habe ich erwartet, dass ich Post in Form einer vorgefertigten Unterlassungserklärung bekomme. Ebenfalls Fehlanzeige. Eine Anfrage zur Gegendarstellung habe ich ebenfalls nicht bekommen, und so scheint es, dass keiner der Beiträge, die in einer Serie über Monate erschienen sind, ernsthafte inhaltliche Fehler aufgewiesen haben, die man jetzt gerichtlich klären lassen könnte, sollte, müsste oder gar wollte.

Ein Fazit also: So weit neben der Realität liegt das alles nicht. Das ist persönlich ein schönes Ergebnis und der Lohn für ein halbes Jahr der Recherche. Danke an allen, die Informationen gespendet haben – ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen.

Es gab allerdings doch ein paar überraschende Reaktionen, die sich allerdings nicht hier, sondern woanders abspielen. Eine davon war die folgende Stellenausschreibung der SPD-Landtagsfraktion:

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Ein Bekannter kommentierte das mit den Worten: „Wer sich aus dem Fenster lehnt kann fallen.“, und ich möchte da jetzt nicht weiter nachtreten. Der bisherigen Stelleninhaberin wird man sicher bei einer Institution wie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung oder im Finanzministerium des Landes Schleswig-Holstein wieder begegnen. Man fällt nicht wirklich tief, und der Satz „Ich habe noch einen Gefallen einzufordern!“ klingelt mir in den Ohren.

Die Fraktion hat sich des Problems also geräuschlos entledigt – ein Indiz dafür, dass sie das Problem der Selbstbedienung durchaus verstanden hat.

Und bevor mir jetzt jemand etwas von „nahe liegenden nächsten Karriereschritten“ oder so erzählt: Nein. Das glauben weder ich noch meine Oma.

Andere haben das Problem allerdings nicht verstanden.

Zu diesen anderen gehört das Petze-Institut, das zur Zeit bemüht ist, den durch fortgesetzte Kungelei entstandenen Reputationsschaden dadurch einzugrenzen, dass man andere für sich einspannt. Das ist in sofern bemerkenswert als dass man ja durchaus öffentlich kommunizieren könnte, dass man sich in irgendeiner Form vergaloppiert habe, unter unklaren Voraussetzungen angetreten sei oder vielleicht auch von den Verwicklungen finanzieller Natur schlicht nichts gewusst hat. Das kann man aber nicht, weil es dann durchaus nachprüfbar wäre. Und auch ich verstehe, dass man Nachprüfbarkeit anhand eigener Äusserungen gerne vermeiden würde.

Sei’s drum – vermutlich ist die ganze Geschichte ohnehin schon auf dem Stapel mit den interessanteren Vorgängen beim Landesrechnungshof gelandet.

Bemerkenswerter ist jedoch, was man stattdessen versucht und was eine Vokabel wie „Lernfähigkeit“ doch eher ad absurdum führt: Druck auf andere ausüben, die sich dann unüberprüfbare Standpunkte zu Eigen machen sollen. Auf Deutsch: Wenn die eigene Reputation im Eimer ist dann schickt man andere vor.

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