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Es gibt Tage, an denen die moderne Internautin verzweifelt: Da prasselt die schöne neue Welt via Datenleitung in ihr Leben, alles ist bunti-bunti und überhaupt hip & cool, im Hintergrund trällert der Radiostream, während im Vordergrund die Mails über neue Blogeinträge ihrer Freundin in heftige Konkurrenz zu den Newsfeeds treten.

George Bush möchte den Iran angreifen – selbstverständlich mit Atomwaffen, man ist ja nicht kleinlich. Mathias Platzek hat, genau wie Jaques Chirac, der Schlag getroffen, und auf den Nachrichtenseiten prangt die Kanzlerin mit staatstragend-engagiertem Blick. Nicht auf dem Bild: Welche Farbe ihre Gummistiefel haben. Ich stelle mir etwas geblümtes vor.

Das Telefon klingelt, eine Freundin ist dran. Es geht ihr nicht gut, nachdem frau am Vorabend in puncto der von ihrem PC-Netzteil gestellten Spannungsspitzen (die gehören nicht auf die Bluse) gehörig aneinander vorbei geredet hat. Ooops.

Wo ist die Kompetenz, in all dem Wirrwar noch die zwischenmenschlichen Interaktionen angemessen durchzuführen. Reden wir miteinander, oder chatten wir? Ist Kommunikation nur noch das klicken bunter Icons? Wieso können Kinder nicht mehr lesen und schreiben – hat das eventuell damit zu tun, dass man das gar nicht mehr braucht? Wie war das noch gleich? FavIcon anklicken, und dann lebt man?

Es gibt Tage, an denen möchte die moderne Internautin verzweifeln. Und es gibt welche, an denen sie denkt: „Stell Dich nicht so spießig an, die Welt ändert sich eben, und Du bist eben manchmal nicht schnell genug.“

Es gibt Tage, an denen hat die moderne Internautin Hoffnung – mal schauen, von welcher Sorte morgen einer ist.

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