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Neulich, auf der ganz unprosaischen und altmodischen Autofahrt zu einer Kundin, da hatte die moderne Internautin mal wieder Zeit zum nachdenken: Über das Leben, das Universum, und über den ganzen Rest selbstverständlich auch.

Treiber sausten durch ihren Kopf und verschwanden mit einem leisen „klick“ wieder, ein Linux-Druckersystem kreiste langsam durch ihre Hirnwindungen, spuckte ungefragt ein paar Seiten aus und löste sich in dann in Wohlgefallen auf, ein mit Gleitgel statt Wärmeleitpaste bestrichener Microprozesser zerbröselte sanft bei unsäglichen Temperaturen in Bestandteile, die einen Gaschromatographen wochenlang beschäftigt haben würden, und irgendwie schien neben der Sonne auch das gesamte bekannte Universum sanft und wohlgefällig zu kreisen.

Alles schwebt. Das muss die Mitte sein. Oder nicht?

Da dräut es, irgendwo im hinteren Teil des Bewusstseins. „Rootkit“, wispert es. „Raubkopierer sind Verbrecher“, flüstert es. „Du bist bald im Knast, weil Du PandoraRadio hörst“ – nun schon deutlicher, und jetzt möchte die moderne Internautin wirklich nicht weiter ins Detail gehen.

Aber das Thema ist da, das ist wie ein Piepen im Ohr, das lässt sich nicht abstellen, wird bald lauter, bald leiser, verschwindet beinahe, nur um sich umso eindringlicher wieder zurück zu melden. Gedanklicher Tinnitus, um im Bild zu bleiben.

Hmm, die moderne Internautin muss wohl mal das Kinderzimmer durchforsten. Schlimm das, heutzutage. Und überhaupt, alles schlimm: Das Wetter, die Wirtschaft, die Politik, die Globalisierung und die Arbeitsbedingungen hier und in den Sweatshops. Die Steuererklärung wird immer umfangreicher, die Abende länger und die Gefahren des Alltags immer größer.

Eigentlich sollte frau Aktien kaufen: Nicht nur von Micro$oft, nein, auch von $onymusic, Univer$al Picture§, der Ge$ellschaft zur Verwertung von Ding$darechten und überhaupt. Wenn die Gebühreneinzug$zentrale eine Aktiengesellschaft wäre, dann würde sie da auch was von kaufen. Scheint doch ein Zukunftsmarkt zu sein, alles mit DRM zu versehen und die gleiche Sache doppelt und dreifach zu verkaufen. Hätte sie nur besser aufgepaßt, damals, zu Studienzeiten, als es um Kapital und Mehrwert ging – aber das schien ihr doch ein gutes Geschäft zu werden. Kasse machen, und wer nichts kauft wird getrackt und wandert in den Knast – oder zahlt lieber noch eine Geldstrafe und anständig Schadensersatz.

Und dann ist sei bei den Strafen, stellt sich vor und malt sich aus. Dich etwas stellt sich quer: Damals, als sie noch jung war, da waren Verbrecher doch irgendwelche finsteren Gestalten. Ihre Oma hatte mal so jemanden getroffen, der dann promt die Handtasche kaperte, in der sich ein beträchtlicher Teil der monatlich noch sicheren Rente befand. Stalin war vielleicht ein Verbrecher, Hitler gewiß, und beim gegenwärtigen Präsidenten einer bekannten Großmacht war sie sich momentan nicht ganz sicher.

Ja, und jemand, der anderen Gewalt antut, das ist bestimmt auch einer. Fiese Mörder, brutale Räuber, eklige Vergewaltiger, und, da war sie sich jetzt ganz drüber im klaren, Kinderpornofilmproduzenten. Jedenfalls welche, die andere Leben zerstören.

Aber wenn jemand eine CD kopiert, ein Buch abschreibt, einen Film …

Ooops. „Was ist eigentlich Verhältnismäßigkeit?“ war die Frage, die sich die moderne Internautin dann stellte. Aber die Antwort wollte sie, jedenfalls jetzt, nicht wirklich wissen – die Fahrt zur Kundin war zu Ende, den Wagen abschließen, und dann rauf in das Büro, in dem ein trojanerverseuchter Personalcomputer auf die Fundamentalreinigung wartete.

Keine Zeit für krause Gedanken.

Vielleicht wäre es ja ohnehin besser, keine Kundinnen mehr zu besuchen. „Beim nächsten mal, ganz bestimmt, da schicke ich mich selbst per eMail,“ dachte die Internautin, „dann komme ich wenigstens nicht auf dumme Gedanken.“

Was dann doch auch eine schöne Perspektive ist.

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