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Wenn die moderne Internautin mal frei hat, dann denkt sie nicht an den Job. Sollte man denken – doch manchmal ist das weit gefehlt, liegt ihr doch gerade ein Shopsystem auf der Seele. Und so handelt denn diese Geschichte von einer guten und zwei weniger guten Ideen. …

Immerhin, besser als im Magen, sollte man denken. Schließlich können auch virtuelle Einkaufswagen eine durchaus ansehnliche Größe erreichen. Beweis: Die letzte Kreditkartenabrechnung. Zugegeben, da war Paris, France dran Schuld. Aber letztlich ist das ja auch eine andere Geschichte.

Das mit dem Shoppen, das begann nämich damit, dass die moderne Internautin einem Kunden den Laden neu streichen sollte: aus einem angejahrten Shop mit marginalen Umsätzen, die der Usability zum Trotz auf myseriöse Art und Weise trotzdem zu Stande kamen, sollte binnen angemessener Frist ein hübscher, praktischer Megastore werden, in dem das zügige Ausgeben der hart verdienten Euros nur so eine wahre Freude sein würde. Soweit kein schlechter Gedanke.

Was ein nicht so guter Gedanke war: Dazu weiter unten. Immerhin hatte die moderne Internautin bei der Gestaltung einigermaßen freie Hand, die Stilvorgaben beschränkten sich mit einem Logo, einem Satz Grundfarben-Ton-in-Ton aus der besseren Palette vor allem darauf, es anders als der Vorgänger zu machen, was nicht so schrecklich schwierig war. Der Vorgänger war eine Agentur, und dagegen kommt die wackere Freelancerin mit unreguliertem Arbeitszeitkonto in der Regel locker an.

Die moderne Internautin bastelt keine Frame-Labyrinthe, etwas anderes als XHTML und etwas Würze aus der CSS-Dose kommt ihr ebenfalls nicht auf den Schirm, was hilft, die gröbsten Schnitzer zu vermeiden. Und so eine Navigation wie die bisher vorhandene zu schreiben – nein dazu denkt sie nicht verwinkelt genug. Man stelle es sich vor: Ohne eine Vorahnung von dem zu haben, was dereinst ihren Einkauswagen füllen möge, musste man bei besagtem Agenturshop zunächst das allerletzte Menu der tapfer mit Tabellen ausgerichteten Navigation anwählen (Klick EINS), den Hinweis, dass demnächst und auf einer der Folgeseiten tatsächlich etwas käuflich zu erwerben sei abnicken (Klick ZWEI), eine immer noch unbebilderte Kategorienliste über sich ergehen lassen und dabei eine Produktgröße auswählen (Klick DREI), um dann doch erstaunlich zügig die Wahl zwischen KEINEM oder maximal FÜNF Produkten (überflüssigerweise auf jeweils zwei Seiten verteilt – was dann Klick VIER, FÜNF und SECHS, mit Pech auch SIEBEN oder ACHT) zuhaben.

Der Rest ging dann erstaunlich geradlinig vonstatten: Ein Klick auf "ok" (was das wohl macht? Befinde ich, ob das abgebildete Produkt "ok" ist? Ach nee, ich hab's fast schon gekauft …) leitete direkt zur Abfrage meiner persönlichen Daten über. "Sie haben doch ein Passwort, oder etwa nicht?" Den Rest (unter anderem die Frage, wohin der Einkauswagen gekullert ist, während sie sich einen Account erstellte …) erspart die moderne Internautin der johlenden Menge …

Nun sollte alles besser werden. Wurde es denn auch – das war dann die gute Idee.

Da gleichzeitig mit dem Shop-Relaunch auch eine Gesamtrenovierung der umgebenden Seiten anstand, mithin die Frage war, ob es ein Shop mit Informationsangebot oder eine Portalseite mit angegliedertem Shop werden sollte, siebte die moderne Internautin die in Frage kommenden Content-Management-Systeme nach brauchbaren Lösungen durch und schlug zum nach Abwägung der entsprechenden Vor- und Nachteile etwas leichtsinnig vor, kurzerhand ein Joomla einzusetzen.

Strukturierter Code sieht definitiv anders aus, ich gebe es ja zu. Und ich wusste es vorher. Aber Joomla ist (anders als das geliebte Contenido, für das fundierte Kenntnisse in (X)HTML, PHP und einiger anderer Nebendialekte nicht schaden) relativ einfach aufzusetzen, bietet eine vorn wie hinten überschaubare Oberfläche und ist für die meisten UserInnen durchaus bedienbar.

Die erste schlechte Idee war es dann, anhand eines Fachbuches zu versuchen, den schnell mit Fireworks und Aptana dahin geschlurten Entwurf in Joomlas Logik hinein zu stopfen. Aussichtslos, jedenfalls in angemessener Frist. Das Ding funktioniert anders: Es möchte Container befüllt haben, auf vielerlei Art und Weise, und zwar mit diversen unterschiedlichen Objekten an verschiedenen Positionen. Gut zu wissen, dass die Dinge, die im Container "right" eingetütet werden, nach Joomlas Logik durchaus auch mal auf der linken Bildschirmseite auftauchen dürfen. Oder oben, unten, in der Mitte – obskur sind dann die Positionen "User". Irgendwie erwartete die moderne Internautin, dass sich das dort verortete Objekt mitten aus ihrem Bauch heraus materialisieren würde – aber so schlimm ist es denn doch nicht gekommen.

Irgendwie sah die Seite nach einem halben Arbeitstag ganz brauchbar aus. Auch ein Shopmodul hatte inzwischen das CMS geheiratet (höre ich da zwangsweise?), die ersten Artikel bevölkerten die Regale und ließen sich auch per Livesearch wieder hervor locken, das passierte dann das Ding mit der Mehrwertsteuer …

Das Land, in dem die moderne Internautin lebt leistet sich den Luxus unterschiedlicher Steuersätze für Kulturgüter (niedrig) und den ganzen Rest (hoch). Die Shopsoftware allerdings, die mochte das nicht einsehen: "Okay," raunzte sie, "würdest Du jetzt in Amiland wohnen …" -so wohnte der zugedachte Steuersatz allerdings hardcoded in verborgenen PHP-Funktionen, und auch das Flunkern brachte nix – Bananenrepubliken zahlen mit anderer Münze, und einen Operettenstaat erfinden, das mochte der kluge Shop nicht glauben.

Also PHP entwanzen, Funktionen schreiben, Abfragen umbasteln – drei Stunden Arbeit & es tut. Fein sogar. Chef begeistert, Kunde im siebten Himmel. Bis zum nächsten Update.

Und beim nächstem mal nehmen wir dann Rubricks, gell? Oder wir wandern aus, was ja auch ein schöner Gedanke ist.

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