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Die Wellen schlagen mal wieder hoch: Da ist es M$ mit knapper Not gelungen, das neue Vista zum Verkaufstermin an die Endkundinnen und -kunden rudimentär fertig zu stellen, schon steht mit dem Leoparden OSX 10.5 die nächste Innovation ins Haus. Was vordergründig wie der Kampf um den Desktop ausschaut, bekommt mit dem Release von Safari 3 als Windows-Version eine neue Note. …

Ja, ich gebe es zu: Ich hab's installiert, fasziniert, ohne groß drüber nachzudenken. Und ich habe es genau so bereut wie die Idee, meine MusiK von iTunes verwalten zu lassen.

Zunächst hielt ich es ja für eine praktische Idee, Webseiten, Content und Code nativ unter Windows inspizieren zu können, anstatt immer auf ein im VMware-Server eingesperrtes originales OSX zurück greifen zu müssen, aber die praktische Umsetzung gestaltete sich dann doch als schwierig. Zu buggy ist die Software, eine korrekte Darstellung gelingt weder auf einem deutschen, noch auf einem französischen Windows XP, und oft ist es so, dass Safari for Windows sich ebenso schnell wieder verabschiedet wie er gekommen ist. Immerhin ohne weit reichende Folgen für das System, was ja auch schon mal etwas für sich hat: Stürzt Acrobat ab, hinterlässt das weitaus häßlichere Löcher in den Datenstrukturen.

Nebenbei bemerkt: Browsen tut das Ding auch nicht besonders gut, schon gar nicht besonders schnell. Woher Apple die Meinung hat, dass Safari schneller als alle anderen Browser unterwegs ist, bleibt deren Geheimnis. Für mich war das absolut nicht nachvollziehbar – der einzige Punkt, in dem Safari die Nase vorn hat, war für mich die Häufigkeit der Abstürze. Okay, zugestanden, es nennt sich "beta", es ist noch nicht einmal eine "alpha", es wird besser werden bis zum geplanten regulären Release im September.

Womit es thematisch spannend wird. September? War da nicht was? Oh, jaaaa – in das nur Tage drauf beginnende vierte Quartal fällt der geplante Verkaufsstart des iPhones in Europa, mit abgespecktem OSX als Betriebssystem und einer Oberfläche, die im Wesentlichen aus Safari (und aus nichts anderem) bestehen wird. Sprich: der Safari für Windows wird die Datentankstelle für das iPhone werden. Wie so etwas funktionieren kann hat Apple ja bereits mit der Verdongelung eines (zugegebenermaßen coolen) MP3-Abspielgerätes mit einem disfunktionalen PC-Player und dem dazugehörigen Shop vorgemacht.

Sieht alles nett aus, tut freundlich, aber bevormundet Userinnen und User, wo immer es der Obsthandlung in den Kram passt (was übrigens gar keine realitätsferne Bezeichnung sein muss, ist doch jüngst das Wort "Computer" aus dem Firmennamen geflogen). Und daran ändert auch die marketingtechnisch geschickte Initiative, die bisher geschützte Musik zukünftig DRM-frei zu verkaufen nichts. Die ergonomische Katastrophe aus Cupertino sortiert nach eigenwilligen Kriterien, lässt sich bedienen wie ein störrisches Kamel (nichts gegen Kamele), lässt fremde Daten nur widerwillig hinein und unendlich zäh wieder heraus – so man die Musik nicht im iTunes-Store kauft. Womit es dann für den Menschen am Computer irgendwann eine Frage des persönlichen Komforts und des Geldbeutels ist, sich von dortselbst mit frischen Sounds zu versorgen, gerne exklusiv. Andere können das besser.

Was bleibt? Safari wird vermutlich auf ähnliche Art und Weise dazu benutzt werden, iPhone-Userinnen zu gängeln und mit Hilfe unzugänglicher Ex- und Importfunktionen an die Marke mit dem Apfel zu binden. Applikationen nur via Safari und mit Segen aus Cupertino – und das alles ist sicher nicht als nette Geste an die Webentwicklerinnen gedacht.

Wer's braucht …

Allerdings kommen Erinnerungen an die letzte Firma eines gewissen Herrn Jobs auf. Die hieß – manche erinnern sich schwach – NeXT und bestand darauf, im Rahmen eines etwas wirren Geschäftsmodells nur an Universitäten zu liefern. Elitär und ausschließlich – und wir wissen ja alle, wie das damals ausgegangen ist.

Was ja nun auch wieder ein schöner Gedanke ist.

4 Thoughts.

  1. Na, es geht wohl darum optisch „coole Sachen“ wie eine Safari oder Ei-Pott auch den Windoslern beizubringen.
    Versteh ich, denn die meisten Windowsbrowser haben doch den optischen Liebreiz eines Brechmittels.

    Was allerdings noch so ein „Pseudostandard“browser auf Windows soll, verstehe ich nicht. Hatten wir mit Netscape damals nicht schon genügend Probleme?

    Sprich: der Safari für Windows wird die Datentankstelle für das iPhone werden. Wie so etwas funktionieren kann hat Apple ja bereits mit der Verdongelung eines (zugegebenermaßen coolen) MP3-Abspielgerätes mit einem disfunktionalen PC-Player und dem dazugehörigen Shop vorgemacht.

    Ja, ein Browser als Datenschnittstelle für das Abspielgerät. Solch einen Mist kann ich mir gug vorstellen. Das reicht nach Realität.

    Nicht alles was optisch gut gestylt aussieht ist auch functionable.

    Auch wenn der singende Flachmann gut gemacht ist.

  2. Gut gesprochen!

    Es ist ja leider so, dass der Safari eine große Medienaufmerksamkeit erhaelt – verdient hat er es nicht. Es liegt wohl am Namen "Apple".

    Wenn man wirklich realistisch bleibt und sich anschaut wohin der Weg von Apple, bezogen auf Windows, verläuft ist doch eines klar: Apple will ein Stück vom MS Kuchen haben.

    Es gibt Windows Produkte auf dem Mac, von Office bis zum veralteten Media Player. Es gibt Quicktime und iTunes für Windows.

    Letzteres ist wahrscheinlich ganz gut gelungen, jedoch gibt es bessere Alternativen für ein Windows-System. Lediglich iTunes Store ist für mich der Grund iTunes auf meinem Windows System zu betreiben.

    Doch wohin will Apple mit Safari? Es wird ein Nischenprodukt bleiben, da es Opera, IE 7, Firefox und Mozilla gibt. Warum ein technisch unausgereiften Browser von einem "anderen Stern" portieren?

    Und was das Aussehen betrifft: Lediglich Opera spricht mich optisch an. Der Versuch von IE 7 ist leider gescheitert, jedoch ansprechender als manch andere Produkte. Anmerkung: Bin ein FireFox Mainstream Gegner.

    Und zum iPhone will ich mich erst dann äußern wenn es soweit ist oder es verlangt wird…*ich habe viele Argumente dagegen :D*

    Gruß aus Hamburg + weiter so!

  3. Ahoi Arne,

    ja, was Apple macht ist schon immer irgendwie mit der Aura des Besonderen umgeben gewesen – zu Recht oder zu Unrecht. Als Betriebssystem finde ich OSX ziemlich klasse, aber nciht wegen der Dinge, die es mir abnimmt, sondern wegen der Dinge, die ich selbst regeln kann. Das BSD da drunter mag ich, und es kommt mir ganz oft entgegen.

    Ich wünsche Apple durchaus größere Akzeptanz im Markt, ich finde, die machen eine Menge Dinge gut und richtig. So gesehen kann ich Safari auf allen Plattformen begrüßen. Ich finde allerdings vieles, was von denen an Software kommt, grottenschlecht.

    Okay, was die Optik angeht, kann man ja geteilter Meinung sein, danach suche ich meinen Browser und meine andere Software nicht aus – sondern nach Nützlichkeit, da bin ich als Entwicklerin relativ straight. Ich glaube, dass ich ganz gut vergleichen kann, was die Unterstützung von Standards angeht, und da liegt Opera eben vorne.

    Zum IE7 gebe ich Dir vollkommen recht – alleine für den blöde positionierten "Reload"-Button gehören die eigentlich geteert und gefedert. Von der CSS-Unterstützung ganz zu schweigen, obwohl es besser geworden ist.

    Firefox finde ich mal ambitioniert & klasse, mal aber auch sehr wirr. Surfen tue ich eher selten damit, aber zum Arbeiten hat er einige sehr nützliche Extensions (was täte ich ohne Firebug?).

    Wie dem auch sei … jedenfalls vielen Dank für das positive Feedback & viele Grüße an die Elbe!

    Carolina.

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