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An manchen Tagen, da könnte die morderne Internautin schier verzweifeln: Da müht sie sich tagein, tagaus, all die Projekte, die so anstehen, accessible zu gestalten, hantiert mit Editoren für dies und Editoren für das, schiebt Quelltext von Ordner zu Ordner, checkt alles in Validatoren ab … Kurz: sie verhält sich politisch korrekt und versucht, ihren Nutzerinnen und ihren Kundinnen nicht mehr Steine in den Weg zu legen als unvermeidlich ist.

Wobei die meisten Steine ja sowieso nicht von solchen Menschen wir der modernen Internautin gemacht sind. Nein, das sind dann schon ganz andere Kaliber, mit denen sich eine kleine Webkrauterin nun wirklich nicht vergleichen möchte. Das sind ganz andere Größen, die finanziell und ressourcentechnisch in ganz anderen Ligen spielen.

Irgendwie kommt sie sich so vor, als ob sie in einem Land wohnen würde, in dem alle Straßen im Besitz eines Großmoguls sind. Und in dem, als ob es damit nocht nicht genug wäre, dieser Großmogul dann auch noch die passenden Fahrzeuge für diese Straßen anbietet. Nicht, dass frau sie benutzen müsste – soweit gehen die Vorschriften ja nun doch nicht – aber es hätte schon Vorteile: Die Fahrzeuge des Großmoguls sind nämlich speziell, mit einer ausgetüftelten Federung versehen, die universell auf die Schlaglöcher aller Straßen abgestimmt sind.

Mit anderen Fahrzeugen, die viel komfortabler aussehen, mehr Airbags und bessere Stoßstangen haben, weniger Sprit verbrauchen und überhaupt viel schicker ausschauen sind die Straßen natürlich auch zu befahren – aber die Schlaglöcher sind eben nicht mehr ohne, werden nicht mehr wie von Zauberhand weggebügelt. Nichts ist es mehr von feinstem dahingleiten, der kleinste Ausflug zum Kiosk um die Ecke gerät zur abenteuerlichen Odyssee (na gut, frau könnte auch laufen).

Womit sich die moderne Internautin ja noch abfinden könnte – aber andere leider nicht.

„Marktmacht rules!“, wer Augen hat, um zu sehen, wird das erkennen.

„Sachte“, denkt die moderne Internautin, „die keine Augen haben, was machen denn die?“ Und schon ist sie wieder bei einer diesr ketzerischen Fragen, und sie besinnt sich erstmal darauf, doch in ihrem „Program Files“-Ordner nachzuschauen, was er denn an Alternativen zur Marktmacht aus Redmond zu bieten hat.

„Fein“, denkt sie, „das ist ja allerhand.“ Sie war ja immer schon eine Sammlernatur, und obendrein bietet so eine Festplatte ja weitaus bessere Möglichkeiten zum aufbewahren als eine handelsübliche Zweizimmerwohnung. In den archivierten Datenschätzen finden sich, neben allerlei aktuellem Getier, schließlich auch die Vehikel an, mit denen sie im vergangenen Jahrtausend den Datenschätzen des CERN zu Leibe rückte, diverse Mailboxen fledderte und sich ganz allgemein fortgebildet hat, was die moderne Art zu reisen anging.

Mit so einem Oldtimer, installiert auf einem virtuellen Fenstersystem mit dem vielsagenden Namen dreipunktelf, macht sich die moderne Internautin nun auf den Weg – und bleibt sofort auf der Strecke. Bahnauskunft? Pustekuchen.

Nun gut, das können wir ja auch anders – wie steht es denn mit einem Textbrowser wie LYNX? Oh, ein Flash-Menue kreuzt ihren Weg. Aus die Maus.

Die moderne Internautin wird konziliant. Sie erinnert sich an verschiedene Freundinnen, auf ihren Schreibtischen hellgraue Datenklötze stehen haben, die ihre Anfragen per Modem durch die Leitung tragen, deren Hauptprozessername ganz altmodisch eine Zahl ist. In der entsprechenen Umgebung ist die Enttäuschung groß – aber immerhin hat sie noch nie in ihrem langen Leben so viele Buchstaben gleichzeitig auf ihrem Bildschirm bewundern können.

Es gibt Tage, da könnte die moderne Internautin schier verzweifeln.

Doch dann wird sie fündig: Sie ist gar nicht alleine. Den anderen geht es ganz genauso, nur dass die bessere Workarounds haben. Zum Beispiel diesen: Webmasters, Microsoft feels your pain.

Und das tröstet dann auch wieder.

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