Anderswo: Grüne Niedersachsen zum Thema pädophile Lobbyarbeit in der Partei

Die basisdemokratische Verfasstheit der Partei und der programmatisch vertretene Minderheitenschutz machten es den unterschiedlichsten Initiativen und Gruppen leicht, bei Teilen der Grünen „Betroffenheit“ zu erzeugen und dadurch Unterstützung zu finden. Dies betraf nicht zuletzt solche mit sexualpolitischen Anliegen, die damals in weiten Teilen der linksliberalen bis radikaldemokratischen und bürgerrechtlichen Öffentlichkeit Zustimmung fanden. Darunter waren nicht nur homosexuelle, sondern auch pädophile Gruppierungen.

Seit den 1960er Jahren arbeiteten Sexual- und Strafrechtsreformer daran, ein modernes Sexualstrafrecht zu schaffen und die Bundesrepublik Deutschland vom verklemmten, sexualfeindlichen „Mief“ der Adenauerzeit zu lösen. Viele dieser Bemühungen sind aus heutiger Sicht zu begrüßen, es wurden aber auch die §§ 174 und 176 StGB in Frage gestellt. Publizistisch so gewichtige Medien wie DIE ZEIT gaben dieser Diskussion Raum. Meinungen wie die, dass Gerichtsverhandlungen weit größeren Schaden verursachten als angeblich nicht-aggressive Sexualhandlungen mit Kindern, wurden Ende der 1960er Jahre hier veröffentlicht; der Feuilletonchef selbst positionierte sich mit Hinweisen auf literarische Vorbilder gegen die „Hysterie der Spießer“.

Die 1968er Revolte, in deren Umfeld Berichte der Kommune II über Erwachsene im Umgang mit kindlicher Sexualneugier erschienen, und die Bejahung der kindlichen Sexualität in den Kinderläden standen seinerzeit im Zeichen der Überzeugung, durch die Befreiung der (kindlichen) Sexualität der autoritären gesellschaftliche Zurichtung zu entgehen. Diese Auffassung wurde in den 1970er Jahren in Fachkreisen vielfach noch zugespitzt.

Als ein prominentes Beispiel kann der Pädagoge Helmut Kentler genannt werden, der mit seinem Ansatz einer „nicht-repressiven“ Sexualerziehung Aufsehen erregte. Das von ihm mit verfasste Aufklärungsbuch „Zeig mal“, mit sexualisierten Fotos von Kindern des Engländers McBride, wurde in einem evangelisch geprägten Verlag verlegt und ca. 90.000 Mal abgesetzt. Es steht inzwischen auf dem Index. Darin, und auch an anderen Stellen, formulierte Kentler seine Überzeugung, dass einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern nur dann Schaden anrichten könnten, wenn sie von der Umwelt diskriminiert würden.

Dem Professor für Sozialpädagogik und Sexualwissenschaft an der Universität Hannover sprang u. a. sein Bremer Kollege Rüdiger Lautmann bei, für den Sexualdelikte an Kindern „Verbrechen ohne Opfer“ waren. Kritiker dieser Auffassungen, wie z.B. Günther Amendt oder Alice Schwarzer, wurden kaum gehört. Erst seit Mitte der 1980er Jahre richtete sich die Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf das Erleben und das Leid der Kinder. Dabei hatte bereits 1933 der Psychoanalytiker Sandor Ferenczi in seinen Schriften zur Psychoanalyse auf folgendes aufmerksam gemacht: Da das Kind die Sprache der Zärtlichkeit, die der Erwachsenen jedoch die der Leidenschaft spreche, werde das Kind bei Sexualkontakten überwältigt und verstört und identifiziere sich dann häufig mit dem Aggressor, der es zum Schweigen verpflichtet.

Inzwischen wird diese Sichtweise von großen Teilen in der Gesellschaft getragen. Es bedurfte erheblicher politischer und fachlicher Anstrengungen und Kämpfe, um Einrichtungen zu schaffen, die – zunächst – weiblichen Missbrauchsopfern Hilfe sowie fachliche Aufklärung und Beratung anboten. Diese sind in erster Linie der Selbsthilfebewegung sowie der feministischen Bewegung zu verdanken. Inzwischen werden auch Jungen als Opfer gesehen und können Hilfe erwarten.

Bericht Arbeitskreis Aufarbeitung BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesverband Niedersachsen, S. 9 f.

http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/BERICHT_AK_Aufarbeitung_gesamt.pdf

Presseschau: Die Grünen, die AG Schwule und die Pädophilen

Was zuerst nur in Ansätzen sichtbar war und bereits während des Bundestagswahlkampfes 2013 thematisiert wurde, als es um die Rolle von Jürgen Trittin in seiner Zeit als Göttinger Fraktionsgeschäftsführer der dortigen AGIL-Grünen-Liste ging, das konkretisiert sich nun mit dem Bericht der Berliner Grünen zum Thema Pädophile in Parteistrukturen.

Eine kleine Presseschau:

Der Tagesspiegel stellt fest, dass es „im Berliner Landesverband der Alternativen Liste, der Vorläuferorganisation der Grünen, massiven sexuellen Missbrauch von Kindern gegeben“ hat. Woraufhin die Berliner Grünen sich erst einmal zu einer Richtigstellung bezüglich der Zahl der Opfer genötigt sieht. In der Sache macht das leider nichts besser.

Die FAZ interviewt dazu eine Sozialarbeiterin, die über „das Netzwerk der Pädophilen, über Vertuschung und die Fehler der Grünen“ spricht. Lesenswert.

Auch wenn man politisch auf einer anderen Seite als die Welt steht: „Im grünen Schwulenbereich fanden Täter ein Refugiumist ein Satz, der den Sachverhalt pointiert beschreibt.

Spiegel Online nimmt eher den Weg des gepflegten Boulevards und beschreibt Szenen aus Kreuzberger Kinderläden und Indianerkommunen. Naja. Immerhin wird ein Netzwerk pädosexueller Propagandisten erwähnt, dass bestens organisiert und innerparteilich aufgestellt ist, letztlich aber an Widerständen scheitert.

In Berlin sind es Frauen und Lesben, die den Durchmarsch der Pädo-Bande verhindern. In Schleswig-Holstein werden sie Fraktionsgeschäftsführer.

Den Berliner Grünen kann man hoch anrechnen, dass sie sich in ihrem Bericht sorgfältig und umfangreich dem Thema gewidmet haben. Das hebt sich angenehm von den Grünen in Schleswig-Holstein ab, die in einem relativ dünnen Papier den Einfluss im Wesentlichen auf  zwei Personen beschränken.

Und zum Schluss ein Zitat von Bettina Brummer, Sprecherin der Arbeitsgruppe, die die schleswig-holsteinischen Grünen eingerichtet haben:

„Alles benennen, was gelaufen ist“

Dem kann man sich nur anschließen.

Einfach mal die Klappe halten

Männer sollten ihren Wunsch nach sexuellen Kontakten mit Kindern endlich als ihr Problem begreifen – als ihre Unfähigkeit, mit gleichberechtigten Partnern oder Partnerinnen zu leben – und nicht als bloße – natürliche – Variante von Sexualität. Und politisch aktive Schwule sollten diese Unfähigkeit nicht länger zum politischen Programm erheben, sondern ihren emanzipatorischen Ansatz als auch für diesen Bereich geltend verstehen.“

Angela Schäfers: Egoistische Wünsche Erwachsener, in: Kreuzberger Stachel, September/Oktober 1986, S. 7

Anderswo: „Wir hatten damit bis Mitte der Neunzigerjahre zu tun. Die Schwulen-AG unserer Partei war bis 1993 mehr oder minder ein Pädo-Bereich“

Auch anderswo beschäftigt das Thema Pädophilie die Grünen: Im Landesverband Berlin wurde dazu heute ein Bericht veröffentlicht. SPON berichtet knapp, der Tagesspiegel ausführlicher.

Bemerkenswert ist das Statement von Thomas Birk, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses:

Wir hatten damit bis Mitte der 1990er Jahre zu tun. Die Schwulen-AG unserer Partei war bis 1993 mehr oder minder ein Pädo-Bereich“

Nach Informationen des Tagesspiegels wurde bei den Berliner Grünen hinter den Kulissen um den Bericht gestritten. So sei das Kapitel über die Opfer zunächst so vage und zurückhaltend ausgefallen, dass sich wichtige Zeitzeugen geweigert hätten, weiter in der Grünen- Kommission mitzuarbeiten. Es wurde also weiter versucht zu vertuschen.

Der Bericht wird heute vorgelegt.

In Presseberichten ist von bis zu 1.000 Opfern die Rede. Dazu gibt es eine Presseinformation des Berliner Landesverbandes.

 

Das Petze-Institut, die Grünen und eine astreine Kinderporno-Connection – Landesaktionsplan Vielfalt (20)

Man ist ja Kummer gewohnt, wenn man sich mit Zustandekommen und Inhalten des Landesaktionsplans „Echte Vielfalt“ für Schleswig-Holstein beschäftigt. Dabei ist vieles zu finden: Gedankenlosigkeit, Vorteilsnahme, Korruption, Überforderung, Dreistigkeit. Was allerdings in dieser Form dann doch überraschte war eine astreine Kinderporno-Connection bei der Mitarbeit an den Materialien des Petze-Instituts. Wieder einmal bewahrheitet sich, dass man sehr genau hinschauen sollte, mit wem man da eigentlich zusammenarbeitet. Das Petze-Institut und seine Geschäftsführerin Ursula Schele hat das genauso wenig getan wie der LSVD, der den Auftrag zur Materialerstellung im Gegenzug für eine Beauftragung einer Vorständin für den Relaunch der Petze-Instituts-Webseite vergeben hatte. Und auch schwul-lesbische Vereine im Land schauen weg.

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Dumm oder einfach nur dreist? – Landesaktionsplan Vielfalt (19)

Allerdings fragte man sich doch schon während des vergangenen Jahres, ob diese Entwicklung entweder von der Landesregierung so gewollt war oder ob der LSVD-Landesverband so gut geschmiert hat, dass man sich Dinge außerhalb aller parlamentarischen Kontrolle erlauben konnte und sich dabei so sicher fühlt, dass man noch nicht einmal die Spuren verwischen musste. Je länger ich persönlich die Entwicklung anschaue desto eher denke ich: Sie sind so dreist und gleichzeitig so dumm, dass sie sich nicht vorstellen können, wie man an dieser Selbstbedienung Anstoß nehmen kann.

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Abrissbirne mit Landesförderung – Landesaktionsplan Vielfalt (18)

Es ist immer schön, wenn jemand anders strategische Arbeiten bezahlt. Das entbindet Vereine davon, eigene Mittel für Konzeptentwicklung einzusetzen. Auch der LSVD Schleswig-Holstein nutzt dieses Prinzip, um sich gut aufzustellen. Mit Mitteln aus dem Landesaktionsplan „Echte Vielfalt“ profiliert man sich so als starker Anbieter politischer Arbeit.

Mit Nachhaltigkeit hat das allerdings nicht viel zu tun, vielmehr mit Verdrängungspolitik par Excellence. Es ist bequem, vom Land finanzierte Materialien einzusetzen um den Verband LSVD gut dastehen zu lassen.

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Über den Tellerrand hinaus – Landesaktionsplan Vielfalt (17)

Schon im letzten Posting hatten wir ein paar Gründe angeschaut, weshalb es in anderen Bundesländern gut und in Schleswig-Holstein schlecht mit der Vielfalt läuft. Dabei war uns erneut der Filz zwischen LSVD Schleswig-Holstein und der SPD-Landtagsfraktion als Ursache aufgefallen. Aber ist die Ergebnisqualität wirklich so schlecht wie vermutet?

Auch dazu hilft ein Blick in die Aktionspläne anderer Bundesländer. Ich persönlich finde ja, dass in Berlin viele Grundlagen gelegt wurden – aber auch Nordrhein-Westfalen macht mit einer detaillierten Aufgliederung von Ist-Zuständen und Handlungsfeldern vieles richtig.

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Strukturelle Probleme – Vielfalt Schleswig-Holstein (16)

Schleswig-Holstein ist kein reiches Land, und vor diesem Hintergrund sind die Ansagen im Koalitionsvertrag der rot-grün-blauen Landesrregierung schon sportlich. Darin heißt es, dass das Land Homophobie nicht toleriert und sich entschlossen gegen Ausgrenzung und Gewalt stellen möchte. Das klingt löblich, auch angesichts der Landesfinanzen und der verfügbaren Mittel. Um so wichtiger ist es, dass diese Mittel zielgerichtet eingesetzt werden.

Ist das so? Ein paar Blicke in andere Bundesländer hilft bei der Einschätzung und macht deutlich, weshalb der Landesaktionsplan „Echte Vielfalt“ in Schleswig-Holstein vor dem Scheitern steht.

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